Festivalbericht vom "Wave Gotik Treffen" 2005
in Leipzig vom 13. bis 16.05.05

Alle Jahre wieder…. Und doch wieder etwas anders…. Bereits zum 14. Mal verwandelte sich Leipzig über das Pfingstwochenende in ein Mekka für alle, die sich in irgendeiner Form der schwarzen Szene zugehörig fühlen. Sogar die Bewohner, die Gastronomen oder auch findige Geschäftsleute passen sich mittlerweile dem Spektakel an, dekorieren ihre Häuser oder Vorgärten, ihre Gaststätten und Auslagen im schwarzen Stil. Daran zeigt sich wohl, dass die Leipziger ihre "schwarze Invasion" mittlerweile fast ein wenig lieb gewonnen haben und sich trotz allem Trubel wie z.B. übervolle Straßenbahnen oder "Entschuldigung, wo geht´s denn hier zur Agra/Parkbühne...?" alljährlich auf das schwarze Spektakel vor ihren Haustüren freuen. Sind sie doch mittendrin in den neuesten Modetrends, den extravagantesten Haarfrisuren und den schillerndsten Persönlichkeiten…

Das Publikum, zusammengewürfelt aus den verschiedensten (Bundes-)ländern, Musikrichtungen und sonstigen Vorlieben, verteilte sich mal mehr, mal weniger platzmäßig vorteilhaft auf die fast 25 Veranstaltungsorte, um zu lauten oder leisen Klängen die Seele baumeln zu lassen, sich bei Lesungen, Filmen oder Autogrammstunden ein paar schöne Stunden zu machen oder einfach nur aktiv oder passiv am immer verstärkt aufkommenden Persönlichkeits-Kult mitzumachen. Einfach schwarz ist heutzutage schon längst nicht mehr die vorherrschende Farbe in der Gothic-Szene, vielmehr haben mehr oder weniger intensive Kontrastfarben ihren modischen Höhenzug fortgesetzt. Dieses Jahr stand PINK absolut an erster Stelle der Farbwahl, sei es nun in den Haaren oder Gesichtern, an den Klamotten oder bei den Accessoires… Ob und in wie weit hier das ein oder andere Mal die Grenzen des guten Geschmacks überschritten wurden, liegt wohl immer im Auge des Betrachters. Als "Schau mich an, fotografier mich und bring mich am besten in der nächsten Ausgabe deines Magazins…" hat diese Farbe zumindest bestens gewirkt.
Ebenso effektiv waren Leuchtdioden in den Haaren oder Plateau-Sohlen, Mega-Iros oder bombastische Gewandungen. Dem Erfindungsreichtum sehr kreativer Besucher oder auch findiger Geschäftsleute sind schon lange keine Grenzen mehr gesetzt, und so konnte sich jeder stilistisch vollends ausleben, sofern dies sein Budget nach dem doch recht stolzen Eintrittspreis noch zuließ. Die wohl auch dadurch nachlassende Kaufkraft bzw. -lust des Publikums nahmen leider die meisten Händler zum Anlass, ihre Ware zu merklich teureren Preisen an den Mann/Frau oder beides zu bringen, um überhaupt noch adäquaten Umsatz zu erzielen. Selbstverständlich konnten doch die einen oder anderen Schnäppchen gemacht werden, auch wenn sie manchmal schwer zu finden waren. Bei den Verpflegungspreisen jedoch musste keiner Privatinsolvenz anmelden, um gestärkt oder getränkt sich erneut ins Getümmel zu stürzen.

Dass das Getümmel an den vorrangigsten Veranstaltungsorten wie Agra, Parkbühne oder Werk II nicht vollends in Chaos ausgeartet ist, ist vor allem einVerdienst der in dem meisten Fällen sehr netten und ruhigen Security. Sie blieben trotz heftigsten Anstürmen kurz vor den Auftritten der "Most Wanted"- Bands wie Apoptygma Berzerk, Kiew oder Hocico angenehm kooperativ und mußten nur in wenigen Fällen allzu rüpelhafte Gäste des Platzes verweisen. Was jedoch, wie wohl fast jedes Jahr, wieder einmal verstärkt zu beanstanden ist, war die Bändchenvergabe. Diese sorgte vor allem an der Agra für viel böses Blut, z.B. wenn jemand OHNE Obsorgekarte schon über eine Stunde in einer SEHR langen Schlange ansteht, um dann kurz vor dem vermeintlichen Ziel zu erkennen, dass er/sie schon die ganze Zeit in der falschen Reihe ausgeharrt hat. Nicht jedem war von vorneherein klar, dass es z.B. am Werk II auch einen Umtauschstand gab. Vielleicht sollte für solche Probleme auch endlich eine für alle Seiten akzeptable Lösung gefunden werden, wo doch dieses Jahr das Problem mit der Security beinahe aus der Welt geschafft wurde….

Aber alles in allem war auch dieses WGT ein Wochenende voller altbekannter und angesagter Klänge in Live-Version, kennen lernen neuer Menschen und/oder Weltanschauungen, schmerzender Füße und Brandlöchern, Lästern und Lastern, Schlafmangel und abgebrochener Kajalstifte… Eben das WGT in seiner einzigartigen Veranstaltungsform mit all seinen Vor- und Nachteilen, dem die meisten Gothics trotz aller Umstände immer wieder beiwohnen wollen/möchten/müssen und schon das Hotelzimmer fürs nächste Jahr gebucht haben.

© 2005 by @ (Madradena).