Festivalbericht vom 10. "Zillo Festival" 2004
in St. Goarshausen vom 16.07.04 bis 18.07.04

Deadly Good Music, unter diesem Motto versammelte sich die schwarze Gemeinde und ihre Anhänger auf der LORELEY FREILICHTBÜHNE in St. Goarshausen / am Rhein.

Mit dieser Location hat sich Zillo eine ideale Festivalgegend ausgesucht, die aufgrund der wunderschönen Burgen- und Schlösserlandschaft am glitzernden Rhein jedes schwarzromantische Herz höher schlagen lässt. Erstaunte, aber nicht unbedingt unfreundliche Blicke ernteten die Vertreter der Gothic-Szene beim Wandeln an den Promenaden entlang der Straßenkaffees. Es bot sich für die vielen angereisten Rentner, die sich in den Kaffees entlang des Rheins ne süße Auszeit gegönnt haben, ein wahrlich seltsames Bild.

Rund 6000 Besucher zählte der Veranstalter. Dabei hätten durchaus 14 000 Leute die Freilichtbühne bevölkern können, ohne in Bedrängnis zu geraten. Wahrscheinlich scheuten die Meisten wohl den Weg in die nicht sehr zentral gelegenen Gefilde oder erholten sich noch vom WGT. Dabei ist neben der schönen Lage auch die Akustik der Bühne nennenswert. Steinerne Stufen führen trichterförmig zur Bühne. Selbst weiter entfernt ist der Sound noch absolut gut zu hören und gibt freie Sicht zur Bühne. Gab doch die Bandauswahl dieses Jahr nicht nur was fürs Ohr sondern die Wahl der Location auch was fürs Auge.

Freitag
Der Freitag lockte mit Sonnenschein. Allerdings waren wir durch die Anreise erst ziemlich spät auf dem Festivalgelände. Verzögert wurde das Ganze noch durch eine Drogen -und Waffen- Kontrolle vor der Auffahrt zum Festivalgelände. Fast wäre unsere Gliederringe eingezogen worden. Aber was wäre denn ein Gothic- Festival ohne Gliederringe oder Killernieten? Aber die Beamten waren relativ entspannt und haben uns dann unbehelligt ziehen lassen. Von den Newcomern haben wir eigentlich kaum etwas mitbekommen, aber Sieger des Newcomer-Contest wurden die Metallspürhunde. So richtig fing es für uns mit Umbra an. Umbra et Imago waren dann auch besser als ihr Ruf, auch wenn Mozart optisch sehr viel Ähnlichkeit mit einem Ork hatte ;) Es gab wohl technische Probleme mit der SM Show, die letztendlich so kurz ausfiel, das man sie gleich hätte weglassen könne. Trotzdem waren Umbra vom Sound her ganz passabel, von den seltsamen Sprüchen zwischendurch von Mozart mal ganz abgesehen.

Samstag
Der Samstag startete verregnet. Das war wohl auch der Grund für unser verspätetes Erscheinen auf dem Festivalgelände. Nach dem Einstieg durch Serotonin, Chamber und Faun, die wir leider nicht gesehen hatten, ging es weiter mit S.I.T.D. und das Ich. Stefan, Sänger von „Das Ich“, leuchtete schon von weitem feuerrot angemalt. Sie performten Hits wie „Gottes Tod“ und als Zugabe auf vielfachem Wunsch das „Destillat“. Zum Abschluss gab es noch ein paar Statements zur Szene von Stefan. Danach rockten Suicide Commando das Gelände mit derb elektronischen Klängen wo kaum Einer stillsitzen konnte. Mit dem Auftritt von London After Midnight wurde es gotisch ruhig. Sänger Sean schlicht über die Bühne und zelebrierte Hits wie „Where Good Girls Go To Die“ und „Ignorance Is Killing Bliss“ mit der gewohnten leicht einschmeichelnden Intonation. Irgendwo wurde eine Geschenktüte im Publikum gesichtet. Da hatte wohl jemand tatsächlich an Seans Geburtstag gedacht. Was allerdings damit geschah und ob sie den Adressaten doch noch erreichte bleibt ungewiss. Ihr Auftritt endete mit dem Klassiker „Sacrifice“.

Beim Auftritt von Blutengel öffnete der Himmel seine Schleusen und pflichtbewusst wollte auch meine Kamera nicht mehr. Aber die Fans kamen wohl auf ihre Kosten und die Mädels waren durch den Regenguss nicht nur blutig sondern auch feucht ;). Mit Alien Sex Fiend trat dann auch eine angekündigtes Highlight des line-ups seinen Auftritt an, von vielen Fans schon sehnsüchtig erwartet, welche auch von außerhalb Deutschlands extra wegen ihrer Lieblingsband anreisten. Düstere Bühnenatmosphäre zog in seinen Bann, Flackerlicht wechselte mit dunkelrotem Licht. Sänger Nik Fiend rezitierte langatmig aus einem überdimensionalen Buch und warf aufgeblasenen Bananen ins Publikum. Im Hintergrund rundete der Gitarrist mit einer Jason-Maske das diabolisch düstere Bild ab. Der Sound war elektronisch schreiend und schrill. Allerdings auch sehr eintönig und nach einer Weile ziemlich nervend. Aber die Fans fanden’s toll. Aus Zeitgründen gab es allerdings keine Zugabe.

Skinny Puppy waren allerdings der Hammer. Nivek Ogre war bekleidet wie der Vogelfänger Papageno aus der Zauberflöte, aber anstatt Federn hingen Bandagen zerschlissen an ihm herunter und auf seinem Kopf thronte eine Art Vogelmaske mit großem Schnabel. So schlich er mit zuckenden Bewegungen auf die Bühne, untermauert von furiosen Drumms und elektronischem Perfektionismus, im Hintergrund eine riesige Leinwand auf der Anti- Kriegsbilder-Bilder, Anti- Bush- Bilder und Landschaftaufnahmen, ineinander übergehend, wechselten. Wie ein verletztes, rasendes Tier stolperte Nivek über die Bühne, riss sich streifen seiner Kostümierung herunter und verschmierte Kunstblut auf seinem Körper. Die Massen waren begeistert. Danke Zillo, was für ein Headliner!!!
Auf dem Rückweg mal wieder eine Polizeikontrolle, gab es ja lange nicht mehr. Diesmal keine Suche nach Drogen sondern allgemeine Verkehrskontrolle. Aber obwohl wir uns nicht richtig ausweisen konnten wurden wir nach einem kleinen Vortrag dann doch in die Nacht entlassen, noch mal Glück gehabt.

Sonntag
Hier fand der Festivaltag für uns erst mit After Forever an. Die Performance war handwerklich gut. Fraglich ist nur, ob nach „Within Temptation“ und „Nightwish“ das Konzept „hohe Frauenstimme und theatralisches Metalgeschrammel“ nicht irgendwann seinen Reiz verliert. Aber gut waren sie allemal. Nach weiteren Acts wurden wir erst so richtig bei DAF munter. Die älteren Herren sorgten für Bewegung vor der Bühne, unter anderem mit Hits wie „Tanz den Mussolini“ oder „Wenn der Cherif reiten geht“. Als Zugabe gab noch mal den „Mussolini“, aber das schien Niemanden zu stören. Dynamisch ging es weiter mit den Crüxshadows mit dem Sänger, der wohl niemals still zu stehen scheint. Mit Konzertbeginn bahnte sich Sänger Roque seinen Weg durch die Zuschauer und nahm ein Bad in der Menge. Auch währen des Auftritts sprang er immer wieder an die Absperrung um Kontakt mit seinem Publikum aufzunehmen, die ihm begeistert Applaus zollten. Neben Roque sorgten auch die beiden Tanzmäuse der Crüxshadows für Dynamik und bei manchen Herren für große Augen. Ein gelungenes Konzert.
In Extremo waren handwerklich gut. Höhepunkt bildeten Within Temptation mit einem furiosen Bühnenfeuerwerk. Allerdings waren die meisten Festivalbesucher schon auf dem Sprung und auch wir sind nicht bis zum Schluss geblieben. Glücklich aber erschöpft und diesmal ohne Polizeikontrolle, haben wir den Heimweg angetreten.

Fazit: Das Zillo war für uns bis jetzt das Beste Festival im Jahr 2004. Es macht dem WGT sicherlich keine Konkurrenz was Internationalität und Anzahl der Bands angeht, aber das muss es auch nicht. Hier war es nicht so überlaufen wie auf dem WGT, nicht zu heiß wie auf dem Mera Luna. Es war ein beschauliches Festival was mit dem Line-up keinesfalls im Schatten von anderen Festivals stand. Die Besucher waren freundlich, die Organisation war gut, die Verpflegung abwechslungsreich und die Security freundlich. Besonders angenehm waren die ausreichend vorhandenen Sitzplätze vor der Freilichtbühne. Die geniale Akustik garantierte Hörvergnügen auch noch in weiterer Entfernung von der Bühne und das Line-up war abwechslungsreich. Alles in allem ein gelungenes Comeback fürs Zillo-Festival. Gerüchten zufolge erhalten Diejenigen, die sich nun ärgern alles versäumt zu haben, nächstes Jahr wieder eine Chance dem Zillo vor der wundervollen Kulisse des Rheins beizuwohnen. Wir freuen uns auf nächstes Jahr. Dank sei hier auch mal dem Team von Radio Dunklewelle gesagt, für Unterstützung, nette Unterhaltung und Getränkeversorgung.

Nachtrag: Der Bericht ist rein subjektiv und die musikalischen Vorlieben sind ja bekanntlich verschieden. Aber ich glaube behaupten zu können, dass jeder auf seine Kosten gekommen ist und die Atmosphäre super war. Allerdings hab ich noch nie während eines Festivals soviel Polizeikontrollen erlebt. Irgendwie ist ein Gothic- Festival ja kein Mekkar für Drogen und Gewalt wie man das von anderen Events kennt. Es war schon sehr befremdlich auch wenn die Herren und Damen in grün relativ umgänglich waren.